PRESS COMMENT 4   Peter Herbert - bassooka    
 
    Andreas Felber (Concerto 2/2002):    
         
    Als hätte es a posteriori noch einer Rechtfertigung für die Zuerkennung des Hans-Koller-Preises als "Musiker des Jahres" 2001 bedurft, legte Peter Herbert kürzlich eine CD-Arbeit vor, die es in sich hat: "Bassooka", erschienen auf Herberts eigenem Internet-Labei, zeigt den Bassisten - wie auf dem Cover - beinahe"nackt', als unbegleiteten Solisten - und geht doch darüber hinaus. Es ist ein sehr persönlicher, reichhaltigst differenzierter Klang-Mikrokosmos, den sich der seit 1989 in New York residierende Instrumentalist und Komponist im Laufe der Jahre erarbeitet hat: Von filigranen Geräuschstrukturen bis hin zu orchestralen, per Overdub multiplizierten Arco-Chorälen, die in ihrer freitonalen Expressivität an die Wiener Schule gemahnen, reicht das Spektrum, von Puls-geprägten, groovigen Passagen (wobei Steve Shehan und John Mettam ausschliežlich Herberts Bass-Corpus bearbeiten) bis zu bizarren, schwebenden Gamelan-Sounds, für die die Saiten mit chinesischen Noodle-Sticks präpariert wurden. Im zentralen, achtteiligen"Filmrequiem", ursprünglich eine Komposition zur gleichnamigen Film-Installation von Elisabeth Kopf, die auch für das intim gestaltete Booklet verantwortlich zeichnet, schichtet der 42-jährige Vorarlberger gar 16 Kontrabass-Stimmen per Overdub übereinander: in seiner Reichhaltigkeit an Stimmungen , Techniken und Texturen schon allein eine ganze Klang-Welt für sich. Auch "Feldweg rot' und "Nardis" seien als Anspieltipps genannt: In ersterer Piece setzt Peter Herbert die skrupulösen Klangforschungen in die harmonischen, farblichen und dynamischen Mikrostrukturen des Klangs quasi in sich selbst fort, in dem er seinen Puls während des Spielens hörbar werden lässt. "Nardis" ist der eine Standard, der Herbert - hier tatsächlich "solo" - schon seit Jahren begleitet (siehe CD "King Oedipus and Other Calamities", 1993): In der jüngsten, in seiner Virtuosität und Kompaktheit tatsächlich brillanten Version zeigt der Bassist für alle nachvollziehbar, dass er zu den international Besten seines Fachs zählt.    
             
    < back