PRESS COMMENT 2   B-A-C-H - A Chromatic Universe    
 
    Frank Bongers: © jazzdimensions 2001 erschienen: 9.9.2001    
         
    Peter Herbert - "B-A-C-H: A Chromatic Universe"

Trotz des verleitenden Titels haben wir es weder mit einer "Klassik meets Jazz"-Variante, noch mit einem verspäteten Ableger in der Tradition von Walter Carlos "Play Bach" zu tun. Vielmehr versucht sich das Quintett um den Bassisten Peter Herbert an einer Art von Neudefinition des Jazz - weg vom Blues, kompositorisch und vom Klangmaterial her basierend auf beinahe rein europäischen Wurzeln. Peter Herbert - "B-A-C-H: A Chromatic Universe" Der Ansatz ist auch eher ein kammermusikalischer als der eines Jazzquintetts. Schon das Einstiegsstück "Fuga" beginnt mit leisen choralartigen Bläsersätzen, der anfangs gestrichene Bass weicht auf halber Strecke einem swingenden walking Bass - ein sehnsüchtig perlendes Klavier stellt sich ins Zentrum. Auch bei "Hausmann" dominieren flirrende Klaviertriller und -läufe das mehrfach wiederkehrende Thema, alles wird zusammengehalten durch ein treibendes Ridebecken vor einem tupfend arbeitenden Bass. "Stauber" dagegen setzt düster ein, mit leise pochenden Klavierdissonanzen, tickender Percussion und quietschenden gestrichenen Becken. †ber diese, mit uhr-ähnlicher Regelmäßigkeit ablaufende, unheilvoll klingende Klangkulisse baut sich mit verkündenden Klarinetten und gestopften Trompeten eine Krimiathmosphäre auf, die sich zu rifforientierten Fusionklängen steigert. Die im Titel buchstabierte, und in den Stücken verarbeitete, Tonfolge "B-A-C-H" erscheint als Anspielung auf den sich schließenden Kreis - alle Kompositionen, die wir hier finden, laufen "in sich selbst zurück", enden mit dem eigenen Anfang. Blueseinflüsse in der Tonalität zeigt dieser Jazz keine, dagegen Adaptionen klassischer Formen und Kompositionsmethoden - hinter der anderen Bedeutung von "B-A-C-H" steht schließlich auch "Johann Sebastian". Die CD stellt in der Tat ein eigenes Universum von 63 Minuten Länge dar, in das einzutauchen sich lohnt. Erwähnenswert auch das eigenwillige Coverkonzept, das vollständig auf Kunststoffe verzichtet, ohne dabei in irgendeiner Form billig zu wirken.

   
             
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